Die Debatte „sicherer Job vs freie Mitarbeit“ braucht Zahlen statt Schlagworte. Hier sind die Hebel, die in Gehaltsgesprächen und Honorarverhandlungen oft untergehen.

Angestellt: Split der Sozialabgaben

Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer bis zu Beitragsgrenzen. Den Arbeitgeberanteil merken Sie selten auf dem Konto – er beeinflusst aber das Budget Ihrer Rolle.

Freiberufler: volle KV und Marketingzeit

Ohne Arbeitgeber zahlen Sie die volle Krankenversicherung und müssen Akquise als unbezahlte Stunden einpreisen. Ein höheres Stundenhonorar ersetzt nicht automatisch fehlende Beitragsmonate.

Steuerprogression und Soli

Mit steigendem zu versteuerndem Einkommen steigt der Durchschnittsteuersatz. Ein naiver Multiplikator aufs Bruttogehalt unterschätzt oft den Sprung in höhere Tarifzonen.

Echte Zahlen: Median & versteckte Arbeitgeberlast

Mediane bewegen sich jährlich—nutzen Sie sie als Gesprächsanker. Entscheidend ist: €60k Brutto kostet den Arbeitgeber deutlich mehr als €60k, während Freelancer volle KV und Akquise selbst tragen.

Benchmark Größenordnung Warum es zählt
Median-Brutto (Deutschland, Kontext) ~48k-50k € IT/Consulting oft höher—vergleichen Sie Ihre Zielgruppe.
AG-Anteil Sozialabgaben (illustrativ) ~21% auf Brutto bis Deckel Nicht auf dem Lohnzettel sichtbar.
KV voll vs AN-Anteil ~€3,5k-7,8k Differenz/Jahr Größter Hebel im Netto-Vergleich.
Bezahlter Urlaub + kurze Ausfälle ~30-40 Tage/Jahr Freelancer: Umsatz weg, Fixkosten bleiben.
Steuerberater ~€2k-4k/Jahr Oft Pflicht sobald Sie nicht nur Kleinunternehmer sind.

Vorteilsbrücke — was Sie als Freelancer nachkaufen

- Krankenversicherung: AN zahlt halben Satz; Selbstständige vollen Satz oder PKV—Budget €4k-9k/Jahr Differenz typisch. - Arbeitslosenversicherung: AN pflichtig; viele Freelancer ohne ALV—Notgroschen ersetzt Versicherung. - Betriebliche Altersvorsorge: Arbeitgeberzuschüsse weg—ETF/Rürup/bAV selbst füllen. - Weiterbildung: oft bezahlt im Konzern; solo €2k-5k/Jahr einplanen, wenn Sie wettbewerbsfähig bleiben. - Haftpflicht / Berufshaftpflicht: je nach Branche €500-2k/Jahr.

Der Break-even-Punkt

Daumenregel: Freelancer brauchen oft +30-50% mehr Bruttoumsatz als ein vergleichbares Angestellten-Brutto, sobald volle KV, Steuerberater und 10-15% Nicht-Fakturazeit einkalkuliert sind.

Beispiel: €60k Angestellten-Brutto mit Arbeitgeberlast vs €60k Umsatz solo—das Netto liegt oft €3k-6k auseinander *bevor* Sie Arbeitgeberkosten diskutieren. Nutzen Sie den Rechner mit Ihrer Steuerklasse und KV.

Strukturen jenseits „nur freiberuflich“

- Freiberufler §18 EStG: oft keine Gewerbesteuer—aber Qualifikation prüfen. - Gewerbetreibender Einzelunternehmer: GewSt ab Freigrenze—Planung mit Steuerberater. - GmbH / UG: Körperschaftsteuer + GewSt, Gehalt/Gesellschafter-Darlehen—anderes Cash-Fenster. - Kleinunternehmer USt: vereinfacht, aber Umsatzdeckel beachten.

Fünf-Jahres-Skizze

Nehmen Sie 3% Lohnsteigerung im Konzern vs 4% Honorarsteigerung solo, aber 85% Auslastung. Über fünf Jahre gewinnt Freelancing, wenn Tagessatz und Pipeline halten—ein 12-18 Monate langes Tief reicht aber, um die Kurve zu kippen. Rücklage €20k-40k vor Sprung bei Hypothek + Familie.

Drei Profile, die den Vergleich wirklich gerechnet haben

Senior Backend-Entwickler, München

Angestellt — Ausgangslage:

90.000 € brutto, Netto ~54.000 €, Arbeitgeberlast gesamt ~108.000 € (inkl. voller SV- und KV-Logik wie auf dieser Seite skizziert).

Die konkrete Frage:

„Ich bekomme 950 €/Tag als Freiberufler — lohnt sich der Wechsel?

Freiberuflich — Rechnung:

950 €/Tag × 210 Tage = 199.500 € Umsatz. KV (voller Satz) ~8.500 €, freiwillige RV ~6.000 €, ESt+Soli ~62.000 €, Steuerberater 3.000 €, Haftpflicht 1.200 €, Betrieb 4.000 € → Netto ~114.800 €. Stress-Test 175 Tage: Umsatz 166.250 € → Netto ~88.000 €.

Fazit:

Bei 210 Tagen klar positiv (+60.800 €). Bei 175 Tagen immer noch +34.000 €. Untergrenze ~800 €/Tag — darunter wird das KV-Risiko bei schwankender Auslastung schnell gefährlich.

IT-Projektleiter, Hamburg (Konzern)

Angestellt — Ausgangslage:

70.000 € brutto, Netto ~43.000 €, Arbeitgeberlast ~84.000 €.

Die konkrete Frage:

„Mein Arbeitgeber bietet 500 €/Tag als externer Dienstleister — Angebot oder Falle?

Freiberuflich — Rechnung:

500 €/Tag × 190 Tage = 95.000 € Umsatz. KV ~7.500 €, ESt+Soli ~27.000 €, Steuerberater 2.500 €, Betrieb 3.000 € → Netto ~55.000 €.

Fazit:

+12.000 € Netto vs angestellt — positiv, aber nur mit einem zweiten Kunden. Ein Auftraggeber mit Weisung = Scheinselbstständigkeitsrisiko. Vertrag max. 18 Monate, zweiten Kunden ab Monat 3 akquirieren.

Data Analyst / BI-Spezialist, Berlin (laufender Kredit)

Angestellt — Ausgangslage:

60.000 € brutto, Netto ~37.500 €, Arbeitgeberlast ~72.000 €.

Die konkrete Frage:

„Ich will freiberuflich arbeiten, habe aber einen Kreditwie hoch muss mein Tagessatz sein?

Freiberuflich — Rechnung:

Break-even Zielnetto 37.500 € → Umsatzbedarf ~82.000 €. Bei 200 Tagen = 410 €/Tag Minimum. Bei 175 Tagen = 469 €/Tag. Bei 450 €/Tag × 190 Tagen = 85.500 € → Netto ~39.200 €.

Fazit:

450 €/Tag ist Break-even mit kleinem Puffer. Berliner BI-Markt oft 400–600 €/Tag. Kreditgeber sehen variable Einkünfte skeptisch — erst nach zwei Steuerbescheiden refinanzieren, vorher 20.000 € Liquidität.

Stunden- oder Tagessatz berechnen →

FAQ

Macht die Steuerklasse einen großen Unterschied?

Ja bei der Lohnsteuer-Abführung; Freelancer ohne Lohnsteuerkarte rechnen mit anderen Mechaniken.

Was ist mit GewSt / USt?

Je nach Structure; klar separieren, wenn Sie freiberuflich + gewerblich mischten.

Ist KSK modelliert?

Tragen Sie reduzierte KV manuell ein, wenn Sie KSK-berechtigt sind.

Wie viel Rücklage?

Mindestens **6 Monate** Fixkosten inkl. KV und Miete.

Kann ich Midijob vergleichen?

Grenzen und Beiträge ändern sich—nutzen Sie den spezifischen Rechnerpfad.

Was ist mit Elternzeit?

Leistungen unterscheiden sich stark—nicht im Detail modelliert.

Gilt das für Grenzgänger?

Nein—Doppelbesteuerung und Quellensteuer brauchen Spezialisten.

Mini-GmbH sinnvoll?

Abhängig von Gewinn, Haftung und Exit—Steuerberater fragen.

Coming soon: personalized transition kit

We are preparing country-specific checklists, break-even PDF exports, and vetted partner introductions (accountants, fiduciaries, umbrella companies). For now, save your results with the download or email tools on calculator pages where available.